Revolution in the making
- Konferenz, 6-7 Oktober 2018, Frankfurt
- Programm –
TAG 1
Eröffnung
Session I Die Krise des Patriarchats und sein systematischer Krieg gegen
Frauen
2. Der Höhepunkt des Patriarchats: Die Frauenfeindlichkeit des Kapitalismus
Nie zuvor in der Geschichte waren Frauen einer so tiefen und vielschichtigen
Ausbeutung ausgesetzt wie im Kapitalismus. Zusammen mit dem Nationalstaat
bildet der Kapitalismus den institutionalisiertesten Ausdruck des Patriarchats.
Darüber hinaus zerstörte der Kapitalismus, als er zum System wurde,
diejenigen Gesellschaften, die auf der Mutter-Frau-Kultur beruhten, die als sein
Gegenstück angesehen werden können. Wie sollen wir, davon ausgehend, die
Verbindung zwischen dem patriarchalen System und dem Kapitalismus
definieren? Warum und wie hat das hegemonial-männliche System im
kapitalistischen Zeitalter seinen Höhepunkt erreicht? Und kann ein
Befreiungskampf der Frauen, der keinen antikapitalistischen Charakter hat,
erfolgreich sein?
3. Der Zusammenbruch des 21. Jahrhunderts: Frauen ergreifen
Herausforderungen und Chancen
Das kapitalistische Weltsystem ist mit einer strukturellen Krise in das 21.
Jahrhundert eingetreten. Entsprechend seinem Charakter versucht es, aus
seiner systemischen Krise hervorzugehen, indem es die Angriffe auf seine
Feinde intensiviert. Insbesondere können wir über einen systematischen Krieg
gegen Frauen sprechen. Aber Krisen enthalten immer auch die Möglichkeiten
für starke Aufstände. Welche Risiken und Chancen birgt die patriarchale
Systemkrise für die Frauenbefreiung? Wie können wir die aktuelle Krise aus
weiblicher Perspektive einschätzen?
4. Sexismus und seine Verbindung mit der heiligen Dreifaltigkeit des
Kapitalismus
In der kapitalistischen Moderne reproduziert sich die Macht basierend auf den
ideologischen Grundsäulen des Sexismus, Nationalismus, Fundamentalismus
und Szientismus. Während diese Säulen alle nicht voneinander getrennt
werden können, ist Sexismus die Grundlage aller Formen von Herrschaft. Was
ist der Zusammenhang zwischen Sexismus und den drei anderen ideologischen
Säulen der kapitalistischen Moderne? Und wie geht man mit Nationalismus,
Fundamentalismus und Szientismus im Kampf gegen Sexismus um?
Session II Workshops.
- Der Aufstieg faschistischer Regime und ihre Auswirkungen auf Frauen*
- Feminizid, sexuelle Gewalt und Selbstverteidigung
- Ökologie
- Matriarchale Gesellschaften und soziale Identitäten
- Krieg, Vertreibung und Migrationspolitik
- Kolonialismus, kapitalistische Moderne und ihre Auswirkungen auf Frauen*
- Die Feminisierung von Armut und kommunalistische Wirtschaft
- Frauen* und alternative Medien
- Von der Theorie zur Praxis
Abend: Konzert
TAG 2
Session III Frauenbefreiungskampf von Fis nach Kobane und von Minbic
nach Raqqa - Die Philosophie hinter dem Bruch mit dem patriarchalen System
Wie sind wir auf dem Weg von Fis nach Raqqa zu dem Schluss gekommen, dass
die Befreiung der Frau kostbarer ist als die Befreiung eines Landes? Wie
grundlegend sind die Befreiung von Frauen und das Töten der dominanten
Männlichkeit für das Erschüttern der Grundlagen des patriarchalen Systems?
Wie ermöglichen uns die Demokratische Nation und die Freiheitssoziologie
unsere eigene Zukunft zu gestalten? Welche Rolle spielt dabei die Jineolojî? - Die Herstellung des konföderalen Systems der Frauen: Die Philosophie in der
Praxis
Die Umwandlung unserer Errungenschaften in ein kontinuierliches und
nachhaltiges System ist entscheidend. Dafür müssen wir die wichtigsten Säulen
der patriarchalen Ordnung ersetzen. Bedeutend hierfür sind Organisierung,
Vernetzung, Bildung, kommunale ökologische Ökonomie und der Aufbau
außerstaatlicher Strukturen (einschließlich des Systems der Co-Vorsitzenden)
sowie deren Erhalt - Warum „Selbstverteidigung“ und nicht „Schutz“von Frauen: Der Mythos, die
Heuchelei und die Wahrheit
Sowohl das Gewaltmonopol der Nationalstaaten und anderer Staatsformen der
Vergangenheit als auch die exzessive und uneingeschränkte Anwendung von
Gewalt durch die revolutionären Bewegungen in der Vergangenheit und deren
unzureichende Analyse haben unser Verständnis von Selbstverteidigung
geprägt. Haben wir uns nie selbst verteidigt oder müssen uns andere
verteidigen wenn es so ist, stellt sich die Frage warum? Und wer wendet
Gewalt gegen uns an? Wie sollten wir unser Verständnis von Selbstverteidigung
definieren und artikulieren? Welche Vorkehrungen sind zu treffen, damit
Selbstverteidigung nicht zur ungewollten – patriarchalen – Form der Gewalt
wird?
Session IV Verschiedene Orte, universelle Kämpfe: Frauenbewegungen und
ihre Erfahrungen - Von bandit-queens zu pink-gangs: Postkolonialer Widerstand asiatischer
Frauen gegen geschlechtsspezifische Gewalt und Vergewaltigung
Indien ist eines der Länder, in denen der Konflikt zwischen einer Kultur der
Mutter-Frau und Sexismus am deutlichsten gesehen werden kann. Auf der
einen Seite die Kultur der Muttergöttin, auf der anderen Seite
Witwenverbrennungen, das Töten von weiblichen Föten,
Gruppenvergewaltigungen. Wie ist es möglich, dass in einem Land, in dem
Frauen noch vor kurzer Zeit geheiligt wurden, Frauenfeindlichkeit ein so hohes
Niveau erreichen konnte? Welche Rolle spielte der Kolonialismus? Und wie
widersetzen sich Frauen in Indien in Theorie und Praxis gegen verschiedene
Formen von Sexismus und Ausbeutung? - Das Nicht-Trauern um schwarze Leben und warum weiße Vorherrschaft
sexistisch ist
Die außergerichtlichen Hinrichtungen, Polizeigewalt, systematische
Ungleichheit und Diskriminierung gegen „black people“ in den USA sind der
lokale Ausdruck einer viel universelleren Realität: Jene, deren Leben von der
bio-politisch hegemonialen Ordnung abgewertet werden, deren Leben als
entbehrlich erachtet wird, werden zu offenen Zielen von Tötungen. Sie sind
diejenigen, die das System an seinen Wurzeln erschüttern würden, wenn sie
frei wären. Könnte es in diesem Sinne ein Zufall sein, dass parallel zum
Wachstum der BlackLivesMatter-Bewegung unter der Führung von Frauen* eine
Person, die für Sexismus und weiße Vorherrschaft steht, Präsident der USA
wurde? - Das Erwachen der Kinder der Göttinnen: Die 2. Frauenrevolution im Nahen
Osten
Atargatis in Nordsyrien, Ishtar in Mesopotamien, Anahita im Iran, Star in
Kurdistan: Im Nahen Osten, wo die Kultur der Muttergöttinnen tief verwurzelt
ist, weben Frauen eine zweite Frauenrevolution. Aber der Nahe Osten ist auch
der Ort, an dem das Patriarchat institutionalisiert wurde und heute ein heftiger
Kampf zwischen männlicher (Vor)Herrschaft und Frauenbefreiung stattfindet. In
Anbetracht der historischen Bedeutung der Region sollte der Frage nach einer
universellen Bedeutung des Befreiungskampfes der Frauen* im Nahen Osten
nachgegangen werden. Welche Bedeutung hat die Frauenrevolution innerhalb
der Revolution? - Gabrielas Nachfolgerinnen: Frauenbündnis in Theorie und Praxis
Ein effizienter Befreiungskampf der Frauen* gegen das patriarchale System
erfordert ein einheitliches und vernetztes Handeln. Aber wie können wir uns
trotz unserer Unterschiede vereinen? Welche Prinzipien und Verständnis sind
für einen gemeinsamen Kampf notwendig? Was sind die Schwierigkeiten und
Erfolge von Allianzen? Wie entwickeln wir ein gemeinsames
Organisationsmodell und schützten gleichzeitig die Autonomie der einzelnen
Organisationen in der Praxis? - #NiUnaMenos: Wir werden keine Frau* weniger werden
In Lateinamerika haben die Tötungen von Frauen das Ausmaß eines Feminizids
erreicht. Frauen kämpfen seit Jahren darum, die Tötungen auf staatlicher Ebene
sichtbar zu machen und sicherzustellen, dass die Verantwortlichen zur
Rechenschaft gezogen werden. In Anbetracht der Komplizenschaft des Staates
folgerten sie, dass ein Feminizid nur mit einer starken Organisierung gestoppt
werden kann. Die Bewegung Ni Una Menos begann in Argentinien und
verbreitete sich über ganz Lateinamerika. Wie können Feminizide gestoppt
werden? Welche Art von Organisierung brauchen wir?
6. Wiedergeburt der revolutionären Kultur: Frauenorganisierung in Afghanistan
Afghanistan, Iran, Türkei – die späten 70er und frühen 80er Jahre waren Jahre, in
denen das große revolutionäre Potenzial der Gesellschaften des Nahen Ostens
und insbesondere der Frauen sichtbar wurde. Die Hegemonialmächte
reagierten darauf mit der Unterstützung von Militärputschen, islamistischen
Gruppen und politischen Tötungen. Unter dem Deckmantel der
Demokratisierung oder ab 2001 des “Kampfes gegen den Terror” waren sie
aktiv an der Förderung blutiger “Bürgerkriege” beteiligt. Sie verfolgten damit
insbesondere einen besonderen Krieg gegen das revolutionäre Potential von
Frauen. Die Versklavung von Frauen ist die Zerstörung der revolutionären
Kultur. Aber afghanische Frauen kämpfen unter schwierigen Bedingungen
gegen ihre Versklavung, indem sie ihre revolutionäre Kultur wiederbeleben.
Session V Revolution im Aufbau: Wir weben unsere Zukunft gemeinsam
Die Umwälzungen und Umbrüche unserer Zeit führen nicht nur zu viel Schmerz,
Gewalt und der Vertreibung von Millionen von Menschen aus ihrem Land,
sondern bieten uns auch die Chance, unsere eigene Lebensweise zu weben.
Was sind können die Maßstäbe dessen sein, was wir vorschlagen? Wir wissen
viel mehr als je zuvor über unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In
wie weit ist es möglich, sich innerhalb jedes dieser Maßstäbe zu vernetzen?
Das Verständnis von Solidarität muss sich ändern, aber wie können wir eine
Einheit von Anstrengungen, von Kämpfen, von Taten und von Schöpfung
erreichen und sie zusammenweben.
- Schwarze Frauenbefreiungsbewegung: Schwarze Frauen haben brutale
rassistische Repression erlebt, sowie ihre Manifestation in archaischer
Versklavung und Kolonisierung und die Aggression, die sie in
verschiedenen Formen mit sich bringt. Doch von Beginn an haben sie um
ihre Freiheit gekämpft und sind weiterhin eine Inspiration für kämpfende
Frauen weltweit. Was ist der Weg vor uns und wie können wir
Verbindungen knüpfen? - Die schönen Farben zeigen, wie die Frauen* in Indien es wagen die
Angriffe der neoliberalen Politik des Kapitalismus und die allumfassenden
Angriffe des Patriarchats zu bekämpfen und widerständig zu sein. Wie
schaffen wir Raum für verschiedene Formen von Solidarität? - Die Frauen* aus den arabischen Ländern haben den zweischichtigen
Freiheitsverlust durch das sehr harte arabische hegemoniale Patriarchat
erlitten, das seine regionale und weltweite Macht an die kapitalistische
Hegemonie verloren hat. Wie können wir die Grenzen zwischen den
Frauen der Region überwinden und gemeinsam handeln? - Aus den Trümmern von Fundamentalismus, Feudalismus, Nationalismus
und den jüngsten Kriegen erheben sich die Frauen aus Kurdistan – die
Versklavtesten der Versklavten, um alle Formen des Patriarchats
zurückzuweisen. Wie können Frauen* (wieder) gemeinsam handeln, wenn
es um gemeinsame Ziele geht? - Zapatistas – Die Frauen* der Regenwälder singen uns dasselbe Lied in
einer anderen Melodie; Sie führen den Kampf und den Widerstand der
Frauen in den Regenwäldern fort und darüber hinaus. Räumlich weit
voneinander getrennt und doch so nah in der Vision.
Praktische Informationen
Datum: 6. -7. Oktober 2018
Beginn: 09:00
Ort: Studierendenhaus an der Goethe Universität, Mertonstraße 26, 60325
Frankfurt am Main
Simultanübersetzung in folgende Sprachen: Kurdisch, Englisch, Deutsch,
Türkisch, Italienisch, Spanisch und Französisch
Teilnahmegebühr: 30 € inkl. Mittagessen, Tee und Kaffe; Soli-Beitrag 50€. Wenn
es schwierig ist, den Betrag zu bezahlen, lasst es uns wissen
Die Registrierung für die Konferenz ist ab dem 5.10.2018 um 17:00 Uhr
möglich.
Unterkunft: Die Unterbringung erfolgt bei solidarischen kurdischen Familien und
Freund*innen für maximum drei Nächte. Außerdem haben wir in günstigen
Pensionen Zimmer vorreserviert
Anmeldung
Bitte meldet euch bis zum 15. September unter der mailadresse
womenweavingfuture@riseup.net an. Teilt uns dabei mit von wo ihr anreisen
werdet, wann ihr ankommt, ob und für wie viele Nächte ihr Unterkunft und ob
ihr Kinderbetreuung braucht.
Weitere und aktuelle Informationen zu Programm und Organisatorischem findet
ihr auf der homepage www.revolutioninthemaking.blogsport.e